Themen und Ziele 2020

Das Bauvorhaben 6 Seen Wedau kritisch begleiten!

3000 Wohneinheiten sollen auf dem Gelände des alten Bahnausbesserungswerks und in direkter Nähe zum Ufer des Masurensees entstehen. Dieses gigantische Projekt wird  die Siedlungsstrukturen, die Natur und das Naherholungsgebiet nachhaltig verändern. Der rechtliche Rahmen für diese Planung ist seit Januar 2020 der Bebauungsplan Wedau II. Im Zuge der Aufstellung des Bebauungsplanes haben wir Kritik und Vorschläge geäußert, um eine bessere Grundlage für eine zukunftsfähige und nachhaltige Entwicklung des Gebietes zu ermöglichen. Die Kritik ist mit der Verabschiedung des B-Planes nicht erledigt. Wir wollen erreichen, dass unsere Ideen und Vorschläge von Planern und Investoren bei der Umsetzung des B-Planes berücksichtigt werden. Dafür setzen wir uns ein:

  • Die Bebauung mit 3000 Wohneinheiten muss so gestaltet werden, dass innerhalb des Wohngebietes großzügige Freiflächen für Grünanlagen, Gemeinschaftsgärten, Platz für Sport und Spiel und einen Biotopverbund entsteht,
  • Die Größe und Lage der Baukörper muss so ausgerichtet werden, dass die Zufuhr kühler Luft der Seenplatte zu den Stadtteilen der Innenstadt nicht abgeriegelt wird,
  • Die Baukörper müssen stark begrünt werden. Die Dachbegrünung nach dem B-Planung muss konsequent umgesetzt werden. Darüber hinaus, wollen wir begrünte Fassaden und so wenig Flächenversiegelung wie irgendwie möglich.
  • Die Bebauung am direkten Ufer des Masurensees muss mit der Nutzung der Erholungsflächen am See für die allgemeine Bevölkerung verträglich gestaltet werden. Wir setzen uns für einen größeren Abstand der Bebauung zum Ufer ein! In der ersten Reihe soll der Charakter des Gebietes durch eine öffentliche Nutzung der Gebäude unterstrichen werden. Hier wollen wir Gewerbeflächen für Gastronomie, Konvienenz-Stores, Gallerien, Verkauf und Verleih von Wassersportgeräten, Gallerien, Räumen für die VHS, Servicestationen für Senioren, Kindertageseinrichtungen und anderes mehr.
  • Der Sozialwohnungsanteil von bislang 10 % muss deutlich erhöht werden. Ziel ist 30 %. Wir wollen Genossenschaften als Investoren interessieren und den Anteil an teuren Eigentumswohnungen deutlich reduzieren. Wir wollen Wohnraum für Menschen mit Beeinträchtigungen, Platz für Wohngemeinschaften und studentisches Leben im Quartier, um ein sozialgemischte Bevölkerungsstruktur zu erreichen.
  • Wir wollen ein Quartier, in dem Fußgänger, Radfahrer und spielende Kinder einen klaren Vorrang vor dem Automobilverkehr haben. Der Stadtteil muss von Anfang an eine optimale Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben. Solange Ratingen-West-Strecke noch nicht fertig ist, durch verlässliche und schnelle Verbindungen zum Hauptbahnhof Duisburg und dem S-Bahn-Anschluss Im Schlenk. Planerisch muss die Anzahl der Autos im Quartier durch geeignete Maßnahmen reduziert werden; durch Reduzierung der Stellplätze und deren Bewirtschaftung und durch die Einplanung autofreier Wohnbereiche. Die Zukunft ist reif für Carsharing, Elektro-Mobilität und selbstfahrende Fahrzeuge. Der Stellplatz vor dem Haus war gestern
  • Das neue Viertel muss sich architektonisch in den Siedlungscharakter von Wedau und Bissingheim einfügen. Die Erinnerung an das Bahnausbesserungswerk muss durch den Erhalt und sinnvolle Nachnutzung der denkmalgeschützen Aufbauten erhalten bleiben und identitätsstiftend für den gesamten Siedlungsraum sein.
  • Der neue Stadtteil braucht herausragende Architektur.

6-Seen-Platte – Ein Naherholungsgebiet für Alle!

Die Sechs-Seen-Platte ist das größte und schönste Nacherholungsgebiet im Duisburger Süden. Besonders an warmen und sonnigen Tagen kommen viele Menschen aus ganz Duisburg und aus den Nachbargemeinden hier hin, um am See ihre Freizeit zu verbringen, sich abzukühlen und zu erholen. Das Gebiet wird von allen Bevölkerungsschichten und allen Kulturen unserer Stadtgesellschaft rege genutzt. Es ist ein beliebter Ort, an den Familien und junge Leute ohne Konsumzwang selbstbestimmt ihre Freizeit gestalten können. Die starke Nutzung des Gebietes bringt auch Probleme mit sich: Konflikte zwischen einzelnen Nutzergruppen, Müll und Naturzerstörung. Gerade der sogenannte Masurenstrand ist dabei besonders im Fokus der Kritik, weil die Fläche am leichtesten verkehrlich zu erreichen ist und an Sonnentagen häufig sehr stark frequentiert wird. Wir sind der Auffassung, dass diese Probleme im Zuge der Errichtung des Wohnquartiers mitbedacht und mitgelöst werden müssen. Wir wehren uns gegen alle Versuche, die bisherigen Nutzer des Gebietes durch eine exklusive Nutzung für Anwohner zu verdrängen. Aus Erfahrung wissen wir, dass dazu allein die Wahrung der öffentlichen Zugänglichkeit nicht ausreicht. Die zukünftigen Bewohner:innen des Viertels werden ihre Interessen an einer exklusiven Nutzung des Uferbereiches reklamieren, wenn nicht bereits in der Planung und durch die Gestaltung des Bereiches unmissverständlich ausgedrückt wird, dass dies ein öffentlicher Bereich ist mit freien Zugang für alle und Freizeitbetätigungen, die auch einmal das Ruhebedürfnis der Anwohner:innen tangieren dürfen.

Wir wollen, dass das Gebiet gut erreichbar bleibt, wenn auch nicht unbedingt mit dem eigenen Auto, und die Möglichkeiten der Nutzung und Freizeitgestaltung so offen und vielfältig sind, dass auch die bisherigen Nutzergruppen hier weiter ihren Platz haben. Dabei nehmen wir nicht nur das Ufer des Masurensees, sondern die gesamten Uferbereiche des Seenplatte in den Blick. Im Einzelnen wollen wir erreichen:

  • die Öffnung der Wasserflächen am Masurensee für alle Formen des Wassersports,
  • Erhalt und Kontrolle der Wasserqualität in allen Seen,
  • eine verbesserte Gestaltung der Uferbereiche mit geschützten Bereichen für Pflanzen, aufgeschütteten Sandstränden, etc.
  • die Einrichtung fester Grillplätze statt der Zulassung wilder Grillstellen,
  • offene Sportanlagen zum Beispiel für Beachvolley-Ball, etc.,
  • ein Wasserspielplatz für Kinder,
  • ein Abfallsystem, das erleichtert, die Flächen schön und sauber zu halten,
  • eine Verbesserung und Erweiterung des gastronomischen Angebotes vom Eiswagen über den Dönerstand bis zum Spezialitätenlokal,
  • Ausweisung und Ertüchtigung von Flächen für Konzert- und Kulturveranstaltungen.

 

Mehr Naturschutz an der 6-Seen-Platte!

Die 6-Seen-Platte ist künstlich in der Zeit von 1960 bis heute durch Waldrodung und Auskiesung entstanden. Im Zeichen des Klimawandels tragen wir Verantwortung dafür, dass langfristig wieder mehr intakte Natur und Waldgebiete in Duisburg und rund um die Seenplatte entstehen. Die Errichtung des großen Wohngebietes und die Nutzung des Naherholungsgebietes dürfen nicht dazu führen, dass die Natur noch weiter in Mitleidenschaft gezogen wird. Dafür wollen wir uns einsetzen:

  • eine rechtsverbindliche kommunale Planung, die jeglicher weiteren baulichen Nutzung des Gebietes einen klaren Riegel vorschiebt,
  • die Verwirklichung der bereits getroffenen Vereinbarung über die Ausweisung eines neuen Naturschutzgebietes, insbesondere rund um den 6. See,
  • die Einrichtung einer biologischen Station, die die ökologische Entwicklung des Gebietes überwacht und begleitet,
  • gezielte Aufforstungsmaßnahmen mit hitzeresistenten und biotopgeeigneten Baumarten,
  • den Schutz aller Tierarten in dem Biotop, insbesondere der seltenen und gefährdeten Arten wie der Eidechse und des Eisvogels,
  • vernetzte Grünzüge im Wohngebiet, die als Biotopverbünde funktionieren,
  • eine Bodensanierung, die Altlasten nicht einfach abdeckelt, sondern die Böden in einen Zustand versetzt, dass Mensch und Tier sich gefahrlos dort aufhalten können, Obst und Gemüse anbauen können und die Sauberkeit des Grundwassers gesichert ist.

Stadtplanung braucht Bürgerbeteiligung

Duisburg hat sich viel vorgenommen. Neben der Realisierung von 6-Seen-Wedau gibt zahlreiche weitere große Neubauprojekte: Rheinpark, Mercator-Viertel und das Güterbahnhofsgelände am Hauptbahnhof. Duisburg muss sein Image einer Industriestadt im Niedergang abschütteln und sich zu einem Ort entwickeln an dem gutes Arbeiten, Wohnen und Leben möglich ist. Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend dafür, ob wir in eine lebenswerte Zukunft unserer Stadt investieren und uns nach den Vorbildern von Bilbao oder Glasgow als Stadt neu erfinden. Was die Entwicklung der Stadt angeht, lagen die Bürgerinnen und Bürger meistens richtiger als Rat, Verwaltung und Investoren. Die Factory-Outlet-Center auf den Güterbahnhofsgelände oder im Duisburger Norden wurden durch Bürgerproteste gestoppt. In Hamborn konnten dadurch die intakte Zinkhüttensiedlung vor dem Abriss gerettet werden. In Stadtmitte gibt es mit dem Kauf des Güterbahnhofsgelände durch die Stadt endlich die Möglichkeit, investorenunabhängig und zukunftsweisend zu planen. Wir wollen auch für 6-Seen-Wedau ein Höchstmaß an Bürgerbeteiligung an der Planung erreichen und sehen unsere Initiative als einen wichtigen Teil einer gesamtstädtischen Bürgerbewegung, die die Entwicklung der eigenen Stadt selbst bestimmen und mitgestalten will.

Das haben wir uns vorgenommen:

  • eine Vernetzung mit anderen Initiativen, die Bürgerbeteiligung bei der Stadtplanung erreichen wollen, in Duisburg und im Ruhrgebiet,
  • eine Beteiligung an der Planung durch regelmäßige Gespräche mit der Gebag und der Stadt über die weitere Entwicklung,
  • einen Platz bekommen im sogenannten Vergabegremium und mitentscheiden, wer, wie, welches Baufeld bebaut,
  • regelmäßige Informationsveranstaltungen im Stadtteil, um die Bevölkerung an der weiteren Planung zu beteiligen,
  • Architekten, Stadtplaner, Stadtsoziologen und Investoren auf 6-Seen-Wedau aufmerksam machen und Ideen und Vorschläge für eine soziale und ökologische Umsetzung des Projekts bekommen,
  • durch Mobilisierung von Bürgerprotesten dagegen angehen, wenn das Projekt sich in eine falsche Richtung entwickelt.